Anwaltskanzlei Blume Thöndel & Nikel

Ihr Rechtsanwalt in Kassel

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Arbeitsunfähigkeit: Krank ins Fitnessstudio - Ist das erlaubt?

Arbeitnehmer müssen im Falle einer Arbeitsunfähigkeit nicht zu Hause im Bett bleiben. Sogar der Besuch eines Fitnessstudios kann möglich sein.
Ein Kfz-Sachverständiger hatte sich bei seinem Arbeitgeber wegen eines grippalen Infekts krank gemeldet. Trotzdem besuchte er ein Fitnessstudio.
Der Arbeitgeber zweifelte daraufhin die ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung an und kündigte dem Arbeitnehmer. Dieser klagte gegen die Kündigung. Die Angelegenheit landete vor dem Landesarbeitsgericht Köln. Der Arbeitnehmer war der Meinung, dass der Besuch im Fitnessstudio seine Genesung und damit seine Gesundheit gefördert habe. Und damit lag er richtig. Möchte ein Arbeitgeber eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung anzweifeln, benötigt er erhebliche Indizien. Diese lagen hier nicht vor.
Hinweis: Für den Arbeitgeber ist es schwer, gegen eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung anzukommen. Selbst wenn der Beweiswert erschüttert werden sollte, heißt dies noch nicht, dass der Arbeitnehmer nicht auf andere Art und Weise seine Krankheit beweisen kann. Hier kommt auch eine Zeugenvernehmung des Arztes durch das Arbeitsgericht in Betracht.

Arbeitsunfähigkeit: Arbeitgeber darf Attest bereits ab erstem Krankheitstag einfordern

Der Gesetzgeber fordert von erkrankten Arbeitnehmern, dass sie ihrem Arbeitgeber spätestens nach drei Tagen eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorlegen. Bislang war fraglich, ob Arbeitgeber dieses Attest auch schon ab dem ersten Krankheitstag anfordern können.
Nach Auffassung des Landesarbeitsgerichts Köln besteht dieses Recht des Arbeitgebers. Es bedarf keiner besonderen Begründung und kann auch nicht von einem Gericht überprüft werden. Eine Grenze ist daher lediglich bei rechtsmissbräuchlichem Verhalten oder bloßer Willkür des Arbeitgebers zu ziehen.
Hinweis: Im Zweifel muss ein Arbeitnehmer das Vorliegen eines Rechtsmissbrauchs oder bloßer Willkür nachweisen. Dies dürfte im Regelfall ziemlich schwierig sein. Daher kann Arbeitnehmern nur geraten werden, sich nach ihrem Chef zu richten und ihm das ärztliche Attest vorzulegen, sobald dieser es sehen will.

Quelle: LAG Köln, Urt. v. 14.09.2011 - 3 Sa 597/11